VER / RÜCKT

Hommage an Don Quijote

Ursprünglicher AT: Don Q oder Das grosse Reissen

»Ensemble Quadrillong«
Musik-Objekt-Theater für Kinder und Erwachsene
Eine Produktion von Eventfocus

Lea Sakran: Text, Dramaturgie, Regie, Spiel
Zoltán Dani: Choreographie, Tanz, Spiel
Karen Pfister: Bühnenbild, Spiel
Caroline Fahrni: Musikkonzept
Erich Fischer: Musikkonzept, Perkussion, Spiel
Magalie Martinez: Musikkonzept, Violine, Spiel
Hannes Baumgartner: Licht, Film, Technik

Flyer [jpg] [pdf] by TEXTCONCEPT and Florian Sax
Die Mitwirkenden - kurz vorgestellt
Probefotos

Kontakt:

EVENTFOCUS
Lea Sakran
Kupfergasse 6
CH-4310 Rheinfelden

E-mail.: info@eventfocus.ch
Mobil: +41 79 477 677 9

Aufführungsdaten

VER / RÜCKT im Brückenkopf / Quartiertreffpunkt Kleinhüningen
(Endstation Tram 8 oder Bus 36 bis Haltestelle: Kleinhüningen)

Dinner-Spectacle um 20:00 Uhr
Vorstellungsbeginn  nach dem Essen um 21.00Uhr
Freitag 27. April 2007
Samstag 28. April 2007
Freitag 11. Mai 2007
Samstag 12. Mai 2007

(SFr. 58.- Essen inklusiv / Getränke exklusiv; SFr. 30.- ohne Essen)

Familienvorstellungen um 14:30 Uhr

Samstag 28. April 2007
Samstag 12. Mai 2007

Familienfreundliche Preise:
(Erwachsene SFr. 25.-; Bis 16Jahre SFr. 15.-)

Vorverkauf ab 30. März bei Thalia Freie Strasse, Basel

Schüleraufführungen
Freitag 27. April 2007 - 10:30 Uhr
Freitag 27. April 2007 - 14:00 Uhr
Freitag 11. Mai 2007 - 10:30 Uhr
Freitag 11. Mai 2007 - 13:30 Uhr
Freitag 11. Mai 2007 - 16:00 Uhr

Anmeldung Schulen

VER / RÜCKT im Sudhaus, Basel

Kulturbrunch um 10:30 Uhr
Sonntag 03. Juni 2007

Im Rahmen von wildwuchs 07, Kulturfestival für Solche und Andere
Tickets sind vor Ort zu beziehen (Morgenkasse)



Grandville: Don Quixotes Kampf mit den Rotweinschläuchen. 1848

Grandville: Don Quixotes Kampf
mit den Rotweinschläuchen. 1848



PROJEKTBESCHRIEB


Stückthematik - Unser Verständnis und Zugang

»Ich weiss, wer ich bin (...) und weiss, dass ich nicht nur jeder der gedachten Helden sein kann, sondern auch sämtliche Pairs von Frankreich und selbst all die neun Söhne des Ruhms; denn all den Grosstaten, die sie alle zusammen und jeder für sich vollbracht haben, werden die meinigen voranstehen.« (aus: Don Quijote, Cervantes)

»Don Quijote« - ein Name der den meisten von uns (ob klein oder etwas grösser) bekannt ist, aus Filmen, vom Hören Sagen, von Bildern und nicht zuletzt auch Picassos Illustration. Der dürre Mann mit dem alten Ross, getrieben von Rittergeschichten, die er sich Nächte lang ins Hirn saugt, der Fantast, der seine eigene Realität erfindet und entdeckt. Und all seine Taten bestreitet unser Abenteurer für ein Bauernmädchen aus dem benachbarten Dorf, die in seinem ritterlichen Herzen zu seiner heissverehrten »Dulcinea von Toboso« gekürt wird; denn ein Ritter ohne Dame wäre wie ein Baum ohne Blätter und eine Sonne ohne Glanz. Begleitet von seinem wohl genährten und ergebenen Schildknappen »Sancho Pansa«, der dem Treiben seines Herrn mit grösster Bewunderung und Verwunderung beiwohnt, schreckt Don Quijote vor nichts zurück und stellt sich ritterlichst dem Zweikampf mit den `riesenhaften` Windmühlen...

Im wichtigen Werk von Miguel de Cervantes Saavedra erkennen wir durchaus biografische Züge. Der Autor selbst war dauernd auf Reisen und suchte sich Gelegenheitsjobs, um als verarmter Adliger zu überleben. Seine Reise wurde durch eine 10jährige Gefangenschaft in Algerien unterbrochen. Mit viel Idealismus überlebte er mit Hilfe seiner Fantasie.

Auch Don Quijote lebt in einem `Ausnahmezustand` in einer selbsterfundenen Realität, und erfindet als Teil von ihr in gewisser Weise sogar sich selbst. Ein kindliches, ja menschliches Bedürfnis, weil Neugier, Entdeckungs- und Erfindungsdrang lebensantreibende Kräfte sind - Motor, um zu lernen und zu wachsen, Zutaten um das Potential von Kreativität zu nähren. Don Quijote lebt in seiner eigenen Welt, in welcher er nach eigenen Gesetzen handelt. Mit seinem Verhalten eckt Don Quijote zwar an und fällt wortwörtlich immer wieder auf die Nase, doch sprüht er vor Lebenskraft und Überzeugung wovon auch die `normalen` Leute in seiner Umgebung zehren. Trotzdem: Die `Normalen`, welche in der allgemein geltenden Realität leben, zeigen mit dem Finger auf ihn und deklarieren unseren Helden-Antihelden zum Spinner, wenn auch immer nur hinter vorgehaltener Hand.

Am Ende des Romans von Cervantes liegt Don Quijote auf dem Sterbebett. Sancho Pansa ist untröstlich über den Zustand seines Herrn und versucht ihn zu überzeugen, er solle doch bitte weiterleben, denn was würde aus ihm werden ohne ihn? Auch wenn er oftmals durch sein Treiben etlichem Spott verfallen sei, so bringe ihn wegen seiner Narrheit kein Mensch um, und auch kein Zauberer (oder sonstiges seiner Fantasiegebilde) trachte ihm nach dem Leben. Und genau deshalb: nachdem Don Quijote realisiert, seine Fantasie war Illusion und in keiner Weise auch nur annähernd an die `normale`, sichtbare Realität, gibt es für ihn keinen Grund mehr zu leben. Sein Leben erblühte in seiner Fantasie und verblühte durch das Erkennen der allgemein gültigen Wirklichkeit. Sancho Pansas Leben hingegen erblühte dadurch, dass er seinen Herrn quasi als Zuschauer, ohne selbst in den Fantasien mitwirken zu müssen, begleiten durfte. Durch das Scheiden seines Herrn würde sein Leben an Farbe verlieren und der Zugang zu einer kraftvollen, ungezähmten und `ungeziemten` Fantasiewelt würde ihm verloren gehen.

Absicht und Ziele

In jedem von uns steckt wohl ein kleiner Don Quijote - irgendwo. Denken wir uns nicht alle ein Stück weit selber, konstruieren unsere eigene Identität?! Und wenn wir dies nicht selbst tun... was dann? »Wieviel Selbst ist Selbst? Wer denkt Wen? Und wer denkt, dass Wer ihn denkt? Oder wenn nicht, was hindert uns daran?«

In unserer heutigen Welt, geprägt von sterilem Hochglanz-Design, perfektem Funktionieren, einsamen Konsumieren, und übermenschlichen Super-Idealen, die uns oftmals unerreichbare Ziele diktieren, bleibt kaum Raum um die eigene Kreativität zu entdecken. Wir sind überzeugt, dass es ab und zu gut tut, seinem kleinen Don Quijote freien Lauf zu lassen. Kreativität und Fantasie sind Mittel, um unsere Gefühle und Wahrnehmungen ausdrücken und übersetzen zu können.

Die Thematik des eigenen Verrücktseins und des Entstehenlassens seiner Fantasie ist für uns der zentrale Punkt der Arbeit, unser Hauptinteresse an der Geschichte. Wir suchen nach den verschiedenen Wandlungs- und Einsatzmöglichkeiten der Gegenstände, der Klänge, der Bewegungen und Akteure. Die Bühne wird dadurch zur `Drehscheibe` von ver-rückten Perspektiven.

Das »Ensemble Quadrillong«

(zusammengesetzt aus 2 Musikern, 1 Tänzer, 2 Schauspielerinnen/Figurenspielerinnen und einem Ventilator) startete dieses Projekt ausgehend von Improvisationen mit Materialien, Klängen und dem Menschen, der innerhalb dieser Erforschungen manipuliert und manipuliert wird, wahrnimmt und wahrgenommen wird. Daraus entpuppte sich zunehmend die Thematik der Don Quijote-Figur. Der Weg zu einer neu geschriebenen, phantasievollen und witzigen Inszenierung dieses ver-rückten und doch so sympathischen »Ritters der traurigen Gestalt« bahnte sich an. Ein Don Quijote, der in jüngster Frische durch die Zeiten skatet (obwohl er ab und zu vom Ross fällt...), ansprechend für Kinder, Jugendliche wie auch Erwachsene. Die spielerische und lustvolle Umsetzung beleuchtet die ernstzunehmende Thematik aus ver-rückten Blickwinkeln und lässt mosaikartige Bilder entstehen. Eine tragikomische Inszenierung, welche den klangfreudigen Text und die sprudelnde Musik in lebhafte Diskussionen verwickelt und miteinander verwebt. Es entstehen rote Momente, welche Don Quijote in der Nase kitzeln.

Umsetzung

Auf der Bühne sehen wir vorne ein Bistrotischchen mit 2 Stühlen und einem Sonnenschirm. Links steht der "charmante" Ventilator. Auf der anderen Bühnenseite / links stehen die verschiedenen Musikinstrumente.

Wie auch im Roman, läuft DON QUIJOTE auf zwei Ebenen:

*die Rahmenhandlung, also die eigentliche Realität - die wir in eine heutige Zeit übersetzen: In einem Bistrot trifft Rosi (eine schicke Dame und zukünftige Erzählerin der Geschichte) auf Don (ein cooler Typ). Sie scheint gerade von einer aufregenden Reise zu kommen und in ihrem Gespräch entsteht die Geschichte Don Quijotes.
*acht ausgewählte Bilder der Geschichte: Die herumliegenden Gegenstände fügen sich mit ihrer persönlichen Note in die Geschichte ein, und dabei kann ein Sonnenschirm durchaus zu einem Riesen werden. Don Quijote entsteht auf der Bühne und baut sich seine Welt zusammen. Jeder der Akteure kann sich zu Don Quijote verwandeln - dieser `rotiert` sozusagen mit fortschreitender Geschichte von Bild zu Bild; erkennbar einzig durch seine Bewegungen, Äusserungen, Kostüm und seine persönlichen Gebrauchsgegenstände.

Zwischen den beiden Ebenen - der Realität und der Fantasiewelt - gibt es durchaus Verbindungen, so kann Don Quijote plötzlich im Bistrot erscheinen und eine Forderung stellen, oder umgekehrt die eigentliche Erzählerin einen Moment lang zu einer Person von Don Quijotes Geschichte werden.

Die Rolle der Musik ist in unserem Arbeitsprozess sehr wichtig, weshalb die Musiker auch von Anfang an in den Proben dabei sind und das Theaterstück entscheidend mitgestalten. Denn nebst dem traditionellen Begleiten und Kommentieren der Handlung, hat die Bühnenmusik in Schlüsselmomenten AUCH die Aufgabe, die für die Thematik von Don Quijote so bezeichnenden Wandlungen und Verwandlungen zu initiieren. Die Szenen bestehen in vorbestimmten Stückmomenten bewusst aus Improvisationen, in der zwischen Akteuren und Musikern das Interaktionsprinzip spielt. Dieses Vorgehen bietet uns als Crew die unmittelbare Möglichkeit und zwingt uns zugleich, mit spontaner Wachheit neu aufeinander einzugehen und den fortlaufenden Entstehungsprozess spielerisch auf die Bühne zu bringen.

Zielpublikum

Mit unserem Stück möchten wir sowohl Jugendliche, als auch Erwachsene ansprechen. Vom Aufbau und der Länge her, wird es sich auch für Aufführungen an Schulen eignen. Zu diesem Zweck möchten wir die Möglichkeit eines anschliessenden Workshops für die Kinder anbieten. Idee ist es, die Kinder anschliessend selber kreativ werden zu lassen, damit sie so noch einmal handelnd ins Thema eintauchen können. Denn Don Quijote ist eigentlich auch wie ein Kind: er IST das, was er gerade tut und sich dabei vorstellt!

Ein Projekt von EVENTFOCUS.CH
Flyer [jpg] [pdf] by TEXTCONCEPT.CH


sponsored by:
Das "ED-BS", Arbeitsgruppe "Schule + Theater" unterstützt den Besuch von Schulklassen im Kanton BS.
Mit bestem Dank an das TSM für den zur Verfügung gestellten Proberaum.